Nach den Nazis ist vor den Nazis…

Nachdem die Nazis einige Monate ihre Bühne hatten, sind sie gerade wieder etwas weniger laut. Letztendlich war ein organisierter Widerstand in der Bevölkerung doch noch erwacht. Solidarität mit geflüchteten Menschen, wurde überall im Land demonstriert…

…dann kam dieser Artikel in der SZ. Er kennzeichnet in meiner Filterblase den Strategiewechsel der Rechtskonservativen.

Es funktioniert im Grunde wie immer in der Politik

  1. Die Spinnerten kommen, und fordern 150%
  2. Es baut sich eine Gegenbewegung auf, die belegt, die spinnen alle, diese Spinnerten.
  3. Die vermeintlich rationalen Stimmen kriechen unter ihrem Stein hervor und sagen: “Die da spinnen natürlich voll, da habt Ihr recht. Aber man muss auch realistisch sein… Hier ist übrigens meine Forderung von 30%”.
  4. Alle so “Na gut.”

Wer das nicht glaubt, kann sich in der Jüngeren Geschichte zum Werdegang von Leistungsschutzrecht und Vorratsdatenspeicherung einlesen. Es ist ein ganz normales Verfahren, ein Narrativ für Alternativlosigkeit zu schaffen.

FAZ to the rescue…

So kommt also nach den Brüllaffen von der Glatzenfraktion der Herr von der FAZ - jaja, ich weiss, die FAZ… - und erzählt uns in verständnisvollem Ton, dass jetzt mal gut ist. Klar will er den Flüchtlingen helfen, aber man muss ihnen schon klar machen, wo hier der Hammer hängt.

Es fängt ganz harmlos mit einer völlig falschen Eingangsprämisse an:

“Deutschland muss in den kommenden Jahren Hunderttausende, vermutlich sogar Millionen fremde Menschen integrieren oder das zumindest versuchen. Das ist die größte Herausforderung für unsere Gesellschaft seit dem Zweiten Weltkrieg.”

Völlig abgesehen davon, dass die tatsächlich größte Herausforderung nach dem 2. Weltkrieg der Wiederaufbau der in Trümmern liegenden Nation selbst war, incl. dem Wandel von der Täternation zu einem Mitglied eines vereinten Europas: Wir haben die Herausforderung”, eine große Zahl von Menschen in dieser Gesellschaft zu integrieren, bereits 3x bewältigt, seit dem Ende des 2. Weltkriegs.

Zuerst bei den Flüchtlingen aus den ehemaligen Gebieten des deutschen Reichs, zugegebenermassen Deutsche, also gleicher Sprache und kulturellem Hintergrund, aber dennoch 12 Millionen Menschen, die untergebracht, versorgt und von der noch vom Krieg angeschlagenen Gesellschaft aufgenommen werden mussten.

Dann wärend des Wirtschaftswunders und bis in die 80er hinein durch das anwerben von Gastarbeitern, die zwar ursprünglich eigentlich gar nicht bleiben sollten, die aber dann doch ein wichtiger und prägender Bestandteil unserer größtenteils offenen Gesellschaft wurden, statt einer blossen Human-Resource zum Wiederaufbau des Landes.

Und 3. bei der Wiedervereinigung von BRD und DDR. Einer Integration, die noch immer nicht abgeschlossen ist, wie man z.B. am Lohngefälle zwischen Ost und West sehen kann.

(Wie ich neulich lernen durfte, gibt es auch noch eine 4. Einwanderungswelle, die weitestgehend unbemerkt vonstatten ging, aber zu der fehlen mir Zahlen. Aber auch hier erinnere ich mich gut, dass alle das große Arbeitsplatzsterben verkündet hatten, “wenn die bösen polnischen Billiglohnarbeiter bei Eintritt Polens in die EU über uns herfallen.” Einen ähnlichen Tonfall hört man heutzutage bei Einwanderern aus Rumänien.)

Man sieht also gut, dass eine einigermassen gut funktionierende Gesellschaft durchaus in der Lage, sich solchen Herausforderderungen sogar regelmässig zu stellen und sich an sie anzupassen, wenn man alle Beteiligten auch lässt, und jeder ein bisschen will.

Und auf diesem schon fehlerhaften Fundament setzt der Autor dann onkelhaft auf, nimmt uns zur Seite und sagt uns, dass es mal Zeit wird, nach all der Euphorie, die Situation endlich realistisch zu betrachten:

…mit onkelhaftem Paternalismus

“Diese Ehrlichkeit erfordert, dass wir über einige Grundsätze sprechen, die im deutschen Willkommensjournalismus und in der allgemeinen Debatte bisher kaum erwähnt wurden.

Zu der nun allseits geforderten und hunderttausendfach praktizierten Willkommenskultur gehört nämlich auch, dass wir die Neuankömmlinge von Anfang an mit den rechtstaatlichen Spielregeln und europäischen Werten vertraut machen, die Deutschland erst so lebenswert gemacht haben, dass es für Millionen Ausländer zum Ziel ihrer Träume wurde. Zur Willkommenskultur gehört es vor allem, deutlich zu machen, dass der Kernbestand dieser Werte und Regeln nicht verhandelbar ist.”

Hinter diesem Einleitungsabsatz und sämtlichen weiteren Abschnitten, in denen wir z.B. lernen, dass Muslime lernen müssen, dass sie ihre Frauen nicht verprügeln dürfen, steckt ein derart offensichtlicher Rassismus, dass mich ernsthaft wundert, dass es hier keinen größeren Aufschrei gegeben hat. Liegt wohl daran, dass der Text in der FAZ erschienen ist.

Triggerword-Alert:

Der teutonische Herrenmensch zeigt dem Neger jetzt mal, wie man sich eine Hose anzieht und mit Messer und Gabel ist.

Ich kotze im Strahl!

Der “Willkommensjournalismus” - was für eine perfide Abgrenzung, zwischen dem “aufgeklärten Realo-Autor” und seiner naiven Gutmenschen-Konkurrenz anderer Publikationen - klärt Flüchtlinge nicht über das deutsche Recht auf, weil die 1. erstmal andere Probleme haben, und weil sie 2. nicht blöd sind. Sie sind nicht, um Ash aus “Armee der Finsternis” zu zitieren, mit der Brotkrume aus dem Wald gelockt worden. Es mag den durchschnittlichen Wutbürger erstaunen, aber diese Menschen kommen aus ehemals funktionierenden Gesellschaften mit funktionierender Wirtschaft und… gasp Informationen über den Rest der Welt.

Und als nächstes kriecht der “Innenminister aller Deutschen”™ unter seinem Stein hervor, und beklagt, dass Flüchtlinge vor 3 Wochen noch dankbar waren, und sich jetzt auf einmal beschweren und “mit dem TAXI!!! Wo haben die eigentlich die Kohle her?!? zu anderen Unterbringungen fahren!!! Und streiten tun die sich auch! Wo kommen wir denn da hin?”

Artikel 1 des Grundgesetzes sagt

“(1) Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.”

Menschenwürde endet aber nicht dort, wo man in schlechten hygienischen Verhältnissen eine den kommenden Temperaturen nicht angemessene Unterkunft hat, und vor dem Verhungern bewahrt wird. Sie beginnt dort überhaupt erst.

Und es ist das Recht jedes Menschen, auf die Dinge aufmerksam zu machen, die eben noch nicht dieser Menschenwürde genügen. Der Innenminister forderte auf Mariette Slomkas Nachhaken hin, dass alle Beteiligten etwas Geduld zeigen. Das hat Fr. Göring-Eckardt, Fraktionsvorsitzende der Grünen passend beantwortet:

“Wenn wir alle in einer Messehalle untergebracht wären, gemeinsam, auf Feldbetten: Herr Kauder neben Frau Wagenknecht (…) Ich nehme an, es würde alles total friedlich und ohne Schreiereien abgehen.”

Und es ist ja nicht so, als ob es das Problem mangelhafter Organisation bei der Aufnahme von Asylsuchenden erst seit mitte diesen Jahres gibt. Die Bundesregierung hat hier schlicht und ergreifend mindestens die letzten 10 Jahre verpennt.

Tatsächlich haben wir 2 Herausforderungen vor uns

Die deutsche Gesellschaft steht mit dem großen Andrang von Flüchtlingen im Grunde 2 Herausforderungen gegenüber. Die Integration ist nur die Zweite, denn diese wird sich über viele Jahre ziehen. Integration ist ein Generationenthema.

Die erst Herausforderung ist die simple Logistik, diese Menschen zu empfangen, sie unterzubringen und zu versorgen, und zwar unter Schutz ihrer Würde. Und genau wegen dieser Zusatzbedingung “Schutz der Würde”, darf das Thema nicht einfach irgendwelchen Technokraten überlassen werden, die Menschen wie Containerladungen verwalten wollen. Wo das hinführt, sehen wir bei Hartz IV.

Und wenn die Menschen, die in dieser Maschinerie fest stecken, darauf aufmerksam machen, dass mobile Toiletten nicht regelmäßig gereinigt oder geleert werden, dass Nahrung und Wasser schlecht oder unzureichend sind, dass Gruppenunterbringung von 50 traumatisierten Menschen ohne jeglichen Rückzugsort zu massiven Problemen führt, dann ist das ihr gutes Recht und Herren wie unser Innenminister sollten da lieber hin hören, statt sich zu empören, dass jemand dem geschenkten Gaul ins Maul geschaut hat; der Wilde soll doch froh sein, über die 3 Glasperlen, die er erhalten hat. Herrenmenschen-Denke.

Ich wünsche mir Politiker in dieser Funktion, die das Grundgesetz in dem Geiste in dem es geschaffen wurde achten und wahren, und es nicht als lästige, formale Drangsalierung bei der Schaffung von angstbegründeten Gesetzen betrachten. Das Grundgesetz schafft den Rahmen für eine freiheitlichen Gesellschaft, in der jedem Mensch - also nicht nur Staatsbürger - gleiche Chancen zur Entfaltung zustehen.

Die große Koalition möchte nun das Asylrecht weiter verschärfen, die Menschen noch schneller “bearbeiten”, redet von sicheren Herkunftsländern, obwohl die Bundeswehr dort immer noch im Einsatz ist. Nicht verfolgte sollen demnächst noch schneller abgeschoben werden.

Die Frage ist: Warum eigentlich?

Warum überhaupt abschieben?

Alle jammern über den demografischen Wandel seit dem Pillenknick. Die Rente gilt spätestens seit Schröder als nicht ausreichend. Die Wirtschaft sucht händeringend qualifizierte und motivierte Arbeiter. Die Zahlen liegen auf dem Tisch: Migranten bringen diesem Staat erheblich mehr Geld ein, als sie ihn kosten, wenn man sie lässt.

Warum also sollen überhaupt Menschen gehen? Es ist ja nicht so, als ob wir ein Platzproblem hätten. Die Vergangenheit hat deutlich gezeigt, dass Menschen, denen die Chance gegeben wurde, Teil dieser Gesellschaft zu werden, auch ein Motor derselben geworden sind. Und das trotz dem real existierenden Alltagsrassismus, denen z.B. ein türkischstämmiger Deutscher in der 3. Generation immer noch ausgesetzt ist.

Neben dieser rein finanziellen Betrachtung darf man aber auch nicht ausser Acht lassen, dass wir alle eine direkte Mitschuld an der Situation in diesen Gebieten tragen. Wir haben seit den Kreuzzügen immer wieder Kontrolle über diese Regionen ausgeübt, haben uns Bodenschätze und Öl geholt, und verkaufen Waffen an Konfliktparteien. Auch das ist eine Verantwortung, der wir uns nicht länger entziehen dürfen.

Die nächste Sau wird eine andere sein…

…aber nur weil das Thema nicht mehr “Hip” ist, heisst es nicht, dass die Arbeit aufhört. Hier beginnt jetzt der ermüdende Teil. Jeden Tag wird es einen FAZ-, BILD-, Focus-Autoren, dahergelaufenen Innenminister, CSU-Politiker, besorgten Bürger oder Sarrazin geben, beim Versuch den Stein zu höhlen, Zweifel zu sähen, ein Narrativ zu schaffen, in dem jetzt noch Flüchtlingen positiv eingestellte Menschen sich eines gewissen Misstrauens nicht mehr verweigern. Hier müssen wir jeden Tag auf’s Neue ein bisschen Gegenhalten. Verdrehte Zahlen hier korrigieren, gefälschte “Nachrichten” dort, und zur Erholung zwischendurch auch mal wieder dem Hatespeechenden Glatzkopf ordentlich über’s Maul fahren. Das ist der kräftezehrende Teil. Den vermeintlich rationalen Menschen mit ihren vermeintlich rationalen Argumenten, die immer und immer wieder als falsch widerlegt werden, und die trotzdem immer und immer wieder angebracht werden, nicht den öffentlichen Raum zu überlassen.

Keinen Meter. Keinen Fussbreit.

#HatePoetryForBambi!

Das hier ist der erste Post in der Kategorie #nofilter. Details dazu finden sich hinter dem Link.

Hate Poetry ist eine antirassistische Leseshow. Sie schreiben. Wir lesen. Seit 2012. „Journalisten des Jahres“ 2014 (Kategorie „Sonderpreis“). — Quelle: HatePoetry

Live in der Pause geschrieben

Ok, das ist eine Tour de Force. Beim ersten Brief wird Dir mulmig, beim Zweiten fragst Du Dich, ob Du den Abend durchstehst, aber dann wird es nach und nach besser.

Was sonst Satire ist, ist hier bittere Realität, und vor der kann man zusammen klappen, oder man feiert die 4 Leute auf der Bühne für das, was sie aushalten, und wie sie damit umgehen.

Zu oft gibt es nicht mal ein Lachen, dass einem im Hals stecken bleibt. Erholung bringen eigentlich nur schlechtes Deutsch und Logikfehler der Schreibenden, die radebrechend den Erhalt der Deutschen Leitkultur fordern. Ich habe ein Bedürfnis nach Gewalt, möchte die Schreiber ohrfeigen. Wie kann man solchen Menschen noch anders entgegen treten, die solche Dinge sagen. Worte sind da zwecklos.

Ich denke wieder an den HoGeSa-Drecksack im Nachtradio: “Deutschland ist auf dem linken Auge blind”, und “Klar sind da eindeutige sprüche gerufen worden, aber Worte verletzen ja keinen”. Was ein erbärmliches Arschloch.

Pause vorbei, der Saal füllt sich, mal schauen, wieviel bitterkeit ich noch ertragen kann. Aber Kopf hoch, die 4 gehören gefeiert. Da muss man auch mal was aushalten können. Bei denen ist das Alltag, bei mir nur 1 Abend.

Am nächsten morgen rekapituliert

Nach der Pause geht es weiter. Mehr vom selben, aber die geballte Konzentration von rechtem Irrsin schafft irgendwie Normalität, und jetzt kann ich tatsächlich mitlachen. Nicht immer, aber immer öfter.

Nach “Liebe Frau Fotze, Sehr geehrter Herr Arschloch” und “Abokündigungen” im 1. Teil sind wir jetzt bei den Kategorie 3, “grosse Oper”, in der gleich zu Anfang ein kurzer Austausch auf Twitter zu einem Tantrum totaler Demaskierung puren Rassismusses und simplen Wahnsinns eskaliert. Ja, es gibt in diesem Land, in diesem Jahrtausend, in dieser Gesellschaft Menschen, die einem Hitler nachweinen, und da geht es nicht “nur” geEvaHermant um die Frauenrolle in der Familie und den Bau der Autobahnen. Nein, da wird sich gewünscht, dass jemand wie Hitler kommt, und (frei aus dem Kopf zitiert) “bei den Türken da weiter macht, wo man mit den Juden aufhören musste”.

Ich möchte gerade vor die Tür treten, mich mit Benzin übergiessen und anzünden, so verliere ich hier den letzten Glauben in diese Gesellschaft.

Wir sind angekommen beim IS des Abendlandes. Niemand kann mir ausreden, dass es etwas anderes als die relativ stabile Gesellschaft ist, die diese Menschen vom Abschneiden von Köpfen oder öffentlicher Verbrennung abhält. In einem Bürgerkriegsland, wenn diese Briefeschreiber keine Konsequenzen zu fürchten hätten, würden Sie andersdenkende mit Heugabeln und Fackeln durch den Ort hetzen und kurzen Prozess machen. Die totale Enthemmung beim Gehörten lässt da keinerlei Zweifel.

Der Abend gipfelt in einer Schnellschussrunde in der reihum erhaltene kurze, einsätzige Beleidigungen raus gefeuert werden, wer keine mehr übrig hat, ist raus. In der Konzentration müsste das ganze noch unerträglicher werden, dieser Wettkampf um die meisten und unterirdischsten Beleidigungen, aber wir sind mittlerweile alle so durch den Wind und abgestumpft, dass man doch lacht. Özlem Topcu gewinnt, unter Anderem mit dem Wunsch, dass man Ihr einen “Halsschmuck in Form einer Straßenlaterne verpasst, von der sie dann hängen kann.” (auch frei aus dem Gedächtnis zitiert).

Es endet mit ein paar ernsten Worten Yassin Mushabarshs, in denen wir erfahren, dass es auch hier noch Briefe gab, die selbst für diese Veranstaltung zu hart waren, dass nach einem Artikel durchaus mal 600 Nachrichten in diesem Stil kommen, und wir bekommen Absolution für unser Lachen, denn das Programm wurde natürlich gezielt darauf abgestimmt, den ganzen unmaskierten Rassismus und Wahnsinn so zu konzentrieren, dass man die Schreiber auslachen kann.

Aber ich habe kein schlechtes Gewissen, wegen vereinzelten Lachern über politisch unkorrekte diffamierende Sprüche, mir ist das Lachen einfach vergangen, weil ich jetzt greifbare Belege für den geistigen Zustand einiger Menschen in diesem Land habe. Ich habe nichts neues Gelernt, dafür habe ich zu oft in Diskussionen gegen diese Gestalten gehalten. Aber das Gefühl, dass diese Ballung hinterlässt, das wird lange nicht weggehen, wenn es das überhaupt tut.

Hasnein Kazim @HasnainKazim, Özlem Topcu @OezlemTopcu, Yassin Mushabarsh @abususu, Ebru Tasdemir @etasdem und deren gestern abwesenden Kollegen gehören gefeiert, ihre Stimmen gehören gehört, ihre Artikel gehören gelesen.

Unbedingt hingehen! #HatePoetryForBambi!

Hate Poetry

Die Laune war gut, die Luft war schlecht.Auf ausdrücklichen Wunsch von Hr. Hasnein KazimPreise für den Gewinner

15 Jahre, und kein bisschen weise…

Lieber Eddie, heute feiern wir Deinen 15. Geburtstag.

Wir haben so viel gemeinsam erlebt in der Zeit. Du warst über die Jahre Musterschüler, Trainerhund, Rüpel, Knutschbär, Katzenfreund, Pendler, Sturkopf, Fressnase, Melancholiker, und einige male schwer krank, aber immer unerschütterlich.

Bei einer Herzuntersuchung vor einigen Jahren fand die Ärztin ein Herzgeräusch und wir liessen Dich untersuchen. Sie sagte, Du hast ein kleines Loch im Herzen, aber es ist gross und kräftig, und darum macht das nichts. Und von da ab, war was wir ohnehin wussten, auch ein offiziell bestätigtes Motto. Du hast ein Riesenherz und Du teilst es mit jedem.

Seit Deiner letzten Krankheit vor 2 Jahren setzen wir uns nur noch kleine Ziele. “Jetzt überstehen wir erst mal den Sommer”. “Das Tauwetter schaffen wir”. “Eine neue Pillenpackung brauchen wir auf jeden Fall noch”, und plötzlich war Dein 15. Geburtstag so nah, dass auch er ein Ziel wurde.

Mittlerweile schläfst Du viel und störst Dich nicht einmal mehr daran, dass Leo sich an Dich kuschelt. Du gehst nur noch halb um’s Haus, um nach dem Rechten zu schauen, aber Dein Blick, wenn Essenszeit ist, ist unverändert voller Begeisterung. Du ringst mir bei jedem Frühstück, obwohl Du gerade selber Dein eigenes bekommen hast, mit unerbittlichem geknöttere kleine Ecken von meinen Croissants oder Brötchen ab. Das ist Dein Schild, dass Du hoch hältst, worauf steht “Mir geht es gut”. Und jedes mal schiebe ich dann dankbar das Zielkästchen auf dem Kalender in meinem Kopf wieder einen Tag weiter.

Und bald ist wieder Tauwetter; Und dann kannst Du den Frühling auf dem sonnigen Balkon dösen; Und dann steht wieder die nächste Pillenpackung an. Immer einen Schritt auf den Anderen, und jeder ist ein Geschenk…

Alles gute zum Geburtstag, mein Sonnenschein!

Now…

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…and then…

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Windows8 mit Linux auf neue Harddisk migrieren…

Festplattenplatz hat die fiese Angewohnheit, einfach immer weniger zu werden, und dann komm irgendwann ein fieses Popup mit der Meldung: “Plattenplatz?!? Ist aus!”. In der Vergangenheit hatte man hier 2 Optionen nach dem Kauf einer größeren Platte: 1. Reinstall the OS, reinstall all applications. 2. Kostenpflichtige Programme wie Acronis, die in der Lage waren, alle fiesen versteckten stellen, an denen sich Windows die Hardware der Systemfestplatte merkt, umzukonfigurieren. Mit Windows8 scheint sich dieses Problem nach meinem gestrigen Experiment in Wohlgefallen aufgelöst zu haben.

Disclaimer

Das hier ist keine Waschzettel-Anleitung die jeder Endnutzer durchführen kann. Ich gehe von soliden Linux-Kenntnissen aus. Wer den Vorgang anhand dieser Beschreibung nicht versteht, sollte das lassen und zu 1. oben im Abstract greifen. Daher gibt es auch keine Details.

Voraussetzungen

  • Das System bootet mit EFI. Ich habe keine Ahnung, wie sich ein System mit normalem MBR-Bootvorgang verhält.
  • Die neue Platte ist selbstredend größer als die alte.

Vorgehen

  1. Beschaffung einer beliebigen Linux-Distribution. In meinem Fall ein aktuelles Ubuntu CD-Image.
  2. Kopieren dieses Images auf einen USB-Stick
  3. Einbau der neuen Platte parallel zur alten (mein Notebook hat 2 Disk-Plätze, aber ein USB-Gehäuse tut’s natürlich auch.
  4. Booten der Live-Distro
  5. Kopieren des raw-Devices von alter auf neue Platte, incl. allen Partitionierungsinformationen mit dd.
  6. Verschieben und Vergrößern der existierenden Partitionen auf der neuen Platte nach Belieben. Benutzt habe ich hier gparted.
  7. Vergrößern des NTFS-Filesystems auf der vergrößerten Partition mit ntfsresize
  8. Fertig

Ist-Stand der alten Platte:

  • Plattengröße alt: 256GB SSD
  • Plattengröße neu: 512GB SSD
  • Div. Windows-Geraffel-Partitionen incl. EFI
  • Meine Windows C: Partition von 100GB
  • 1 Linux LVM PV von 120GB
  • 1 Recovery-Partition vom Laptop-Hersteller für die Wiederherstellung von Windows8 im K-Fall

Umsetzung

Im Ubuntu-Live-System fehlen ein paar Tools, die ich zuerst nachinstalliert habe. Dazu gehören:

  • htop
  • dstat
  • gparted
  • gfdisk (da bei modernen Systemen normalerweise GPT-Partitionen zum Einsatz kommen)
  • Google-Chrome, damit ich bei der Warterei während des Kopierens NetFlix schauen konnte 🙂

Nachdem ich mir zur Live-Beobachtung des Kopiervorgangs 2 Fenster mit htop und dstat geöffnet hatte, habe ich in einem 3. Fenster den Klon-Job gestartet. Ein simples dd if=/dev/sda of=/dev/sdb bs=4k war ausreichend.

Den Fortschritt kann man mit folgendem Einzeiler in einem weiteren Fenster beobachten:

(while [ 1 ]; do kill -USR1 <PID-von-dd>; sleep 1; done)

Oder man begnügt sich mit den read und write Werten von dstat.

Das klont die alte Platte auf die Neue, incl. aller Partitionsdaten.

Die gewünschten Partitionen kann man nach dem Kopiervorgang dann ganz einfach mit gparted anpassen. In meinem Fall habe ich

  1. Die Recovery-Partition an das Ende der Platte verschoben.
  2. Meine LVM PV auf 150GB vergrößert
  3. Dann die LVM PV direkt bis an die Recovery-Partition geschoben
  4. Anschliessend den gesamten freien Bereich der Windows C:-Platte zugewiesen.

Achtung: Ubuntu aktiviert die Volume-Group sobald gparted beim Start die neue Partitionstabelle der neuen Platte geladen hat. Die gefundenen LVs müssen also unmounted und deaktiviert werden, genau wie die VG. (lvchange -a no <LV> und vgchange -a n <VG>).

Die LVM PV kann nicht in einem Batchlauf vergrößert und verschoben werden, daher muss dazwischen ein Apply stattfinden.

Danach habe ich das System herunter gefahren, die alte Platte ausgebaut, die neue der Ordnung halber in den 1. Slot gesteckt, und das System probeweise in beiden Betriebssystemen erfolgreich gebootet.

Windows zeigte ein einziges Problem. In der Datenträgerverwaltung wurde die Partitionsgröße von C: korrekt angegeben, im Windows-Explorer stand noch die alte Größe. Mit dem Windows diskpart ließ sich das Problem nicht beheben, es kam eine Fehlermeldung unknown Parameter oder irgendein Blödsinn in dieser Art.

Nochmal unter Linux gebootet, konnte ich das NTFS-Volume dann aber mit ntfsresize problemlos vergrößern, beim nächsten Windows-Boot zeigte auch der Explorer die korrekte Größe.

Nebengedanken zum #gauchogate und zur political Correctness

Ich fand mich in der letzten Zeit wieder vermehrt in Diskussionen um Political-Correctness und Nazivorwürfe, ausgelöst durch meine geäußerte Meinung zum #gouchogate.

Meine Meinung dazu ist relativ simpel: Glaube ich, dass jeder der Beteiligten ein Rassist ist, der in seiner Freizeit Runentattoos auf den Unterarmen sammelt und “Türken klatscht”? Nein, natürlich nicht. Aber man muss kein Rassist sein, um rassistisch zu handeln. Da genügt simple Empathie- oder Gedankenlosigkeit im entsprechenden Moment.

Irgendein Arsch hat nicht nachgedacht, etwas dummes und unsensibles organisiert, und jetzt überschlagen sich alle bei Abwiegelungsversuchen.

Die beliebtesten Argumente dabei sind:

  • “Spaßbremse, gönn’ uns doch unsere Feier.”
  • “Andere Länder machen sowas auch.”
  • “Die Deutschen dürfen endlich auch mal wieder Nationalstolz haben, der Krieg ist ja lange genug vorbei.”
  • “Ich lasse mir von politisch korrekten Arschlöchern nichts verbieten.”
  • “Ich bin kein Rassist und kein Nazi, aber Du hast keinen Humor.”
„Nebengedanken zum #gauchogate und zur political Correctness“ weiterlesen

Paradigmen? Wer braucht Paradigmen?

Eigentlich fing das hier als Facebook-Teilung an, aber ich fand dann doch, es sollte nicht nach 24h in den Untiefen von Timelines verschollen gehen…

“Dass es funktioniert – was alle Ökonomen für unmöglich erklärt hatten –, hat mehrere Gründe. Zum einen macht Sina Trinkwalder ihre Preiskalkulation völlig transparent […snip…]
Sie addiert die Kosten für Material und Arbeitsaufwand und macht ihren Kunden unmissverständlich klar, dass sie weder die Stoffhersteller runterhandeln noch ihre Arbeiterinnen antreiben oder im Lohn drücken werde. Und siehe da – es geht:”…

Quelle: TAZ, Fettdruck von mir.

Und das ist ein Beispiel dafuer, dass man diese “Alternativlos”-Narrative manchmal einfach mal aufbrechen muss.

“Das geht doch nicht!”
“Warum?!?”

Sachzwaenge sind kein Argument sondern eine Strategie, einer Argumentation aus dem Weg zu gehen. Man muss sie “zu Ende” durchdenken, denn oft bleibt dann von dem dahinter steckenden Narrativ nichts uebrig, und siehe da, es geht dann auch anders.

Das ist eine Erfahrung, die ich ueber die Jahre in der IT immer wieder gemacht habe, und ich sehe keinen Grund, warum das nicht auch auf alle anderen Bereiche uebertragbar sein sollte. Der TAZ-Artikel Über Sina Trinkwalder ist ein gutes Beispiel für das notwendige “Thinking outside the box”, und was daraus werden kann.

Paradigmen gehoeren immer wieder in Frage gestellt und mit der Realitaet abgeglichen.

Just a bit food for thought…

“Meine verf*ckte Farbe ist magenta mit grünen Streifen und beigen Punkten”

Seit ein paar Tagen rollt eine Welle von fröhlichen Posts wie obiger Titel durch meine Facebook-Timeline. Da ich ja kategorischer Spieleverweigerer auf der Plattform bin, habe ich das ein paar Tage ignoriert, wurde jetzt aber doch mal neugierig.

Disclaimer

Ja, ich weiss, meine Profilangaben bei Facebook und anderen Social-Media-Sites sind vollständig öffentlich. Das ist eine bewusst getroffene Entscheidung und ändert rein gar nichts am Folgenden.

Spassbremsenmodus an

Der Satz aus dem Titel ist natürlich so noch nicht zuende. Er endet mit einem kumpelhaften “Welche Farbe bist Du?” (Man stelle sich dazu ein Monty-Pythonhaftes Augenzwingern “Knowaddamean, wink, wink” vor). Klickt man auf diese Seite, fällt einem guten Beobachter gleich folgende Gemme auf:

„“Meine verf*ckte Farbe ist magenta mit grünen Streifen und beigen Punkten”“ weiterlesen

Change.org: “Stark mit Hund”

Ich bin ja nicht so der Petitionenzeichner, aber die im nächsten Absatz verlinkte Petition “An meine Krankenkasse: Ohne meinen Autismus-Begleithund kann ich nicht leben!” auf change.org lag mir sofort am Herzen. Hier eine leichte Überarbeitung des Textes, den ich zu neben meiner Zeichnung an die Petition angehängt habe.

Zur Petition http://www.change.org/starkmithund

In den letzten Jahren haben Politik und Medien konsequent an der Geschichte des Hundes als “Störenfried in der gesellschaftlichen Ordnung” gearbeitet. Mit traurigen Erfolgen.

„Change.org: “Stark mit Hund”“ weiterlesen

Harte 2 Monate…

Einige ganz wenige Leute wussten davon, bei ein paar, mit denen ich gerne darüber gesprochen hätte, habe ich mich aus Gründen™ bewusst dagegen entschieden, es ihnen mitzuteilen. Aber da jetzt alles soweit gut abgeschlossen ist, wird es Zeit, mal darüber etwas zu schreiben, um mit dem Thema auch in meinem Kopf abzuschließen.

Eddiebär

Im letzten Jahr hatte ich den Eindruck, Eddie wird jetzt langsam richtig alt. Zum Gassi war er nur noch mit viel Arbeit zu überreden, er hat sehr schnell schlapp gemacht und i.d. Regel verliefen die Gassirunden nur noch ca. 1km auf flachem Gelände. Er fraß nur noch lustlos, ließ oft halbe Portionen liegen und bettelte nicht mehr zu seinen Zeiten um Futter, geschweige denn am Tisch beim Abendessen.

Vor einigen Wochen dann fiel mir auf, dass er angefangen hat, stark zu saufen. Früher musste man ihn überreden oder das Wasser mit Joghurt schmackhaft machen, damit er mal ordentlich was trinkt. Plötzlich soff er eine halben Napf, der immerhin über einen Liter fasst, an einem Stück aus. Da hier altersbedingt ein paar Krankheiten nahe lagen, z.B. eine Niereninsuffizienz oder auch eine Altersdiabetes, hatte ich schnell einen Termin bei unserer Tierärztin gemacht.

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