…braucht kein Mensch.
Donnerstag, 05:00
“WAS?!? WIE?!? der Wecker…” drückaufslumber
05:09 “…grmpf” drückaufslumber
05:18 Ok, hilft ja nix. Hund erzählen, dass es nur eine Übernachtung wird, Handy als Taschenlampe benutzen um 2 T-Shirts, 2 Unterhosen, 2 Paar Socken… Ab in’s Bad und das Standardprogramm runtergerissen. Pinkeln, Zähne putzen, Duschen.
05:30 Notebook gepackt, Klamotten gepackt. Der Hund ist verstört “Was macht Herrchen um diese Zeit? Wieso liegen wir nicht noch mindestens 3 Stunden im Bett?!?”
05:40 Aufbruch. Nochmal dem Eddie versichert, dass es nur eine Nacht ist, raus. Wo sind Haus- und Autoschlüssel?!? Hostentaschen? Nein. Hemdtasche? Nein. Jacke von gestern! … Nein. Mist mist mist!
Was hab’ ich gestern gemacht. Voll bepackt reingekommen, alles auf einen Haufen geschmissen, zur Toilette zum Pinkeln gerannt.
Was war auf dem Haufen?!? Koffer, Hundeleinen und Geschirr, Jacke.
Jacke hatte ich schon. Koffer…nein! Hundeleinen. Wo sind die?!? Ah, da wo sie hingehören. Ja, da schaut mein BARF-Schlüsselanhänger unter Eddies Mäntelchen hervor. Los jetzt! Go-Go-Go!
Auf der Autobahn läuft alles perfekt. Die bei der Schlüsselsuche vertrödelte Zeit ist schnell wieder rausgeholt. Bekomme einen Parkplatz direkt vor dem Abfluggate C. Raus, die Treppe hoch! Oh Gott, ich vergass. Die Filzstation von Lufthansa und Germanwings ist so ziemlich das schnarchnasigste was mir bisher auf Flughäfen untergekommen ist. …aber selbst das geht heute relativ flott.
06:15. Schaffe ich noch einen Milchkaffee und ein Croissant? Der Kaffee hier im Lokal an Gate C ist echt gut. Nein, Ticket sagt “Boardingtime: 06:05”.
Und DAS war die grosse Fehlentscheidung des Tages, wie sich herausstellen wird.
06:35. Noch immer kein Boarding. Bin missmutig, denn den Kaffee hätte ich bequem trinken können. Dann geht’s doch los.
06:55 “Verehrte Fluggäste, wir haben leider einen Slot zugewiesen bekommen, d.h. wir starten erst gegen 07:10. Wir schauen, ob wir etwas daran tun können”. Na toll. Eigentlich hätten wir jetzt starten sollen. Dann fliegen wir doch los, und ich falle wie üblich in’s Koma. Die Landung merke ich zwar nochmal, falle aber sofort wieder in Tiefschlaf und werde im leeren Flugzeug von einer nett lächelnden Stewardess angetuppst. Oooops! Danke. Schönen Tag noch…
Raffe meinen Kram zusammen und sprinte aus dem Flieger. JETZT will ich meinen Kaffee, bevor’s in’s Taxi geht… Äh, wo ist mein Portemonaie?!? Rucksack? Jackentasche? NEIN! Mittelkonsole im Auto, am Flugahfen Köln! Und NEIN, bei Inlandsflügen wird man nicht nach einem Ausweis gefragt. SO EINE SCHEISSE! Hätte ich den Kaffee in Köln getrunken, hätte ich es da schon bemerkt und die Zeit es zu holen wäre auch noch bequem da gewesen.
Ok, ganz ruhig. Was mach’ ich denn jetzt?!?
Rückflugticket hab’ ich - für morgen, aber immerhin. Hotel ist auch per Kreditkarte gebucht, Übernachtung ist also auch gesichert. Aber Transport und Verpflegung? MIST! Hmm, das Hotel ist 500m vom Flughafen entfernt. Ich denke, das ist ‘ne Gute Basis um was zu organisieren. Unterwegs schonmal brainstormen. Gibt’s Geldtelegramme noch? Kann ich mit meiner Kreditkartennummer evtl. beim Hotel Geld bekommen? Ich hab’ meine eingescannten TANs im Handy, vielleicht geht damit was…
Oh Shit, das Hotel ist irgendwie, … wie sagt man in Köln? Knüsselig? Ein 80er Jahre Containerbau, unten wird anscheinend gerade renoviert. Der Portier ist irgendwie schmierig und schwitzig, trotz seiner Jugend und den gegelten Haaren. Nein, hier kann man mir nicht helfen. Nur das Zimmer ist bezahlt, und ich kann mich auf einen der Stühle setzen, die man aus der in Renovierung befindlichen Lobby in eine Ecke gestellt hat, um rumzutelefonieren. GANZ TOLL!
Mittlerweile ist es 08:30. Der Anruf bei meiner Kundenberaterin der Kreissparkasse wird an die Zentrale weitergeleitet. Die Dame hört sich mein Elend an, beteuert ihr Mitleid und versichert mir, dass sie auch bei Inlandsflügen schon hochnotpeinlich untersucht wurde, jedoch nie einen Ausweis brauchte. Sie versichert mir ausserdem, dass sie meiner Kundenberaterin bescheid gibt, und dass diese mich anruft, sobald sie kommt.
Ich google die nächste Sparkassenfiliale (10min Fussweg) und mache mich auf den Weg. Oh, es regnet! Naja, zumindest bleibt die Luft dadurch frisch…
Unterwegs bekomme ich den erwarteten Rückruf. Die einzige Chance die sie sieht ist eine Blitzüberweisung (kostet 20 EUR, aber das ist mir in dieser Situation sowas von egal), aber die bekommt man nur unter Vorlage eines Ausweises ausgehändigt. Hmpf! Wir könnten versuchen, ob man hier im Hamburg eine telefonische Identifikation meiner Person durch meine Beraterin akzeptiert. So verabreden wir uns und ich latsche weiter durch den Regen.
In der Sparkasse angekommen erkläre ich der Dame an der Information meine Situation. Hmm, kein Ausweis? Das muss sie mit dem Filialleiter abklären. Ich möge kurz warten. Sie kommt zurück und fragt mich, von welchem Betrag wir hier reden? Hmm, Taxi zur firma, Taxi von der Firma zum Hotel, Taxi zur Firma morgen, Abendessen, und ein bisschen Spielraum. 100 Euro? Ja, in der Grössenordnung würden sie das Risiko eingehen.
Ich bitte sie, die Telefonnummer meiner Sparkassenfiliale selber nachzuschlagen, damit sichergestellt ist, dass ich ihr nicht eine Telefonnummer gebe, bei der ein “Komplize” an’s Telefon geht. Sie schlägt zuerst in der Kölner Zentrale auf, wo man einen Blick in den Terminkalender meiner Beraterin wirft und uns sagt, wir mögen es doch um 10:15 nochmal probieren, weil sie bis dahin in Gesprächen beschäftigt ist. Ja ja! Aber sie wartet ja auf meinen Anruf, denn das habe ich ja vorbereitet. Durchgeklingelt, Warteschleife, nein, die Dame ist gerade im Gespräch. MIST!
Man teilt mir mit, ich möge es mir bequem machen (es ist 09:30) und wir versuchen es um 10:15 nochmal. Pah! Ich warte 5min und rufe per Handy in meiner Filiale an. Ja, da ist sie. Ich gehe rüber zur Information und bitte, dass sie nochmal bei meiner Filiale anruft. Schon wieder die Zentrale, aber nach Versicherung, meine Beraterin würde den Anruf erwarten, versucht man uns durchzustellen und ich werde hochoffiziell als der identifiziert, der ich auch zu sein glaube.
Meine Beraterin bringt den Betrag von 100 Euro auf den Weg, ruft mich 5min später an und sagt, das Geld sei bei ihr raus. Die Hambuger Dame erklärt mir, dass es jetzt zwischen 1,5 und 3 Stunden dauert, bis es in Hamburg angekommen sei. Hmm, wo ist dieses elektronisch verschobene virtuelle Geld eigentlich in der Zwischenzeit? Im Finanz-Limbo?!?
Ist es weit zu meiner Arbeitsstelle? Nein, 5 Minuten. Ach zu fuss?!? Nein, das zieht sich ganz ordentlich. Ok, wir schauen auf Google-Maps nach. 3,5km. Nach meiner Rechnung (7km strammer Schritt pro Stunde) sollte ich also in 30min da
sein. Ich schaffe die Strecke in 25 Minuten, aber der Regen hat ordentlich zugenommen und ich spüre einen altbekannten Zug der sich vom linken Auge aus den Kopf hochzieht. Klar, das fehlte ja noch…
Nachdem ich mich aus den nassen Klamotten geschält habe, werfe ich eine Dolormin Migräne ein und komme danach tatsächlich ein paar Stunden zum Arbeiten. Gegen 11:30 rufe ich in der Bank an, und das Geld ist gutgeschrieben. Alles wird gut. In der nächsten Stunde dann steigert sich die Migräne in einem mir bis dahin ungekannten Crescendo zum schlimmsten Kopfschmerz an den ich mich erinnern kann. Das ist wohl die Turbo-Version einer Wochenendmigräne, dem Effekt, dass Migräneanfällige Menschen diese nur am Wochenende bekommen, wenn sie zur Ruhe kommen, während sie perfekt funktionieren, solange sie noch unter Druck stehen.
Anruf im Hotel: Wann kann ich das Zimmer beziehen? Frühestens um 15:00. Das sind noch 2 Stunden, und mir ist mittlerweile kotzschlecht. Der Raum ist abgedunkelt, aber dieser blöde Flackernde Röhrenmonitor gibt mir den letzten Rest gegen den auch eine zweite Dolormin nicht mehr ankommt. Ich Knülle meine Jacke zusammen und rolle mich unter dem Schreibtisch auf dem Boden ein, den Kopf direkt an der Heizung. Bitte lass heute keinen dieses Büro betreten… bitte lass das Hämmern aufhöhren… bitte mach’, dass der Raum aufhört zu schwanken… bitte lass’ mich nicht in meiner Kotze aufwachen…
Der Dämmerschlaf hält tatsächlich den Schmerz soweit zurück, dass ich es bis 15:00 aushalte. Taxi bestellt, Umweg über die Bank gemacht, Zimmer bezogen, alles verdunkelt und bis 19:00 in’s Koma gefallen.
Ich wache auf und der Kopfschmerz ist verflogen, als sei er nie da gewesen. DURST In der Minibar steht ein leeres Glas. TOLL! Im Bad hänge ich mich an den Wasserhahn und schmecke nach 3 gierigen Schlücken Wasser einen Gummi-Nachgeschmack. Örks! Angezogen schleppe ich mich zum Empfang, nicht ohne die Kameras (ja, Mehrzahl) hier im Gang zu bewundern, bekomme einen Tipp, ein Grieschiches Restaurant in 5min Fussweg zu besuchen, was auch völlig ok ist, und um 22:00 schliesse ich mit diesem Tag ab.
Hätte ich nur diesen einen Kaffee vor dem Abflug getrunken…

Hehe, was für ein Albtraum. In Hollywood wird dann sowas wie “into the night” draus…..