Jamie Oliver – “Jamies 30 Minuten Menüs”

December 25th, 2010 in Kategorie Bücher |

Ich bin ja bekennender Fan von Köchen die weniger Schi-Schi um’s Essen machen, und statt dessen schnell, frisch und mit wenig Aufwand kochen. Jamie Oliver gehört da definitiv zu. Da ich gestern bei den Weihnachtsfresseinkäufen das Buch “Jamies 30 Minuten Menüs” auf dem Grabbeltisch hinter der Kasse liegen sah, musste ich natürlich zugreifen…

Für viele meiner Bekannten und Freunde ist Essen eine Notwendigkeit, seine Zubereitung ein am liebsten vermiedenes Übel. Einige andere zelibrieren die Zubereitung und Aufnahme ihrer Nahrung jeden Tag auf’s Neue und verlieren auch ihre Freude daran nicht. Fragt man dann in der ersten Gruppe herum, erhält man Antworten wie “Ich kann nicht kochen”, “Ich habe keine Zeit, mich jeden Tag 2 Stunden an den Herd zu stellen” oder “Für mich alleine lohnt sich das Kochen nicht”.

Nachdem ich nun 3 Jahre als Pendler unter der Woche alleine gelebt habe, in denen ich mich sehr wohl fast täglich selbst bekocht hatte, kann ich keinen dieser Gründe guten Gewissens akzeptieren. Gutes Essen aus frischen Zutaten ist die Grundlage für einen funktionierenden, leistungsfähigen Körper, einen wachen Verstand und das allgemeine Wohlbefinden.

Devitaminiertes Fertigessen dagegen, mit zuviel Zucker, künstlichen Aromen und Geschmacksverstärkern zur Kaschierung seiner Unzulänglichkeit ernährt uns nicht, es erhält uns bestenfalls am Leben, oft mit nur mäßigem Erfolg.

Gutes Essen bereitet Freude und wenn man das Handwerkliche einigermaßen in den Griff bekommen hat, dann macht auch die Herstellung und der Umgang mit den Rohmaterialien, für die man auch wieder Respekt gewinnt, Freude. Es ist eine lustvolle und kreative Angelegenheit, sich seine eigene Nahrung zu bereiten, und wenn man ehrlich ist, verpasst man nicht wirklich viel, wenn man die vorabendlichen Skandal-TV-Shows und Pseudo-Nachrichtensendungen mal auslässt.

Fiel ich bisher in Unterhaltungen in den Predigermodus, um den Leuten zu sagen, dass man sehr wohl in 30 Minuten ein vernünftiges Essen zubereiten kann, wurde das immer ungläubig belächtelt, aber so ist es. Die Stichworte sind Routine und Parallelisierung, und Jamie Oliver hat das Buch geschrieben, dass diese formalisiert beschreibt. Und er tut dies nicht für “Einen Teller Spaghetti Bolognese” sondern jedes einzelne Rezept besteht aus mehreren Teilen, mal Vorspeise, mal zweites Hauptgericht oder Nachspeise, also tatsächlich ein Menü.

Er schafft das durch Strukturierung der Abläufe beim Kochen, und zum ersten mal sehe ich ein Kochbuch, dass all die kleinen Dinge die um das eigentliche Kochen herum passieren, und die ein erfahrener Koch in seiner Routine gar nicht bemerkt, wenn er ein Rezept nachkocht, schritt für schritt aufgezählt werden.

Direkt beim ersten Rezept findet man eine solche Kleinigkeit:

Vorbereitung: Alle Zutaten und Küchenwerkzeuge bereit stellen, Backofengrill auf 190° C vorheizen. Eine große Pfanne auf hoher Stufe erhitzen. Den Wasserkocher füllen und einstellen

Erst später unten im Rezept findet sich dann

…Einen großen, hohen Topf auf niedrige Hitze stellen, kochendes Wasser hineingießen, den Topf verschließen, Wasserkocher erneut füllen und einschalten.

Das ist so simpel und doch so brilliant, denn es dokumentiert die Routine die sich ansonsten erst einstellt, wenn man ein Rezept einige Male zubereitet hat. Ein geübter Hobbykoch macht sowas instinktiv, aber für jemanden, der hier neu einsteigt, ist das genau die Art von Tip, die peinliche Pannen und “Oops!”-Situationen verhindert. Man muss nicht das Rezept auswendig kennen oder beim Kochen im Rezept hoch und runter springen um zu sehen, ob man für den nächsten Schritt alles soweit vorbereitet hat. Man liest nicht das Rezept selbst sondern die einzelnen Arbeitsschritte die man zur Zubereitung tatsächlich ausführen muss.

Natürlich kommen diese effektiven Abläufe zu einem Preis, nämlich einer organisierten Küche.

Wer Jamie Oliver kennt, hat evtl. schon von seinem “Get your kitchen back” Schlagwort gehört. Es geht darum, die Küche wieder zu einem rationellen Arbeitsplatz zurück zu gestalten, all die Dinge die dort rumfliegen und um die man sonst “herum kocht” los zu werden und die wichtigen Arbeitsutensilien jederzeit greifbar zu haben. Das Buch bietet hier auch noch im Einleitungsteil eine entsprechende Liste und Hinweise zur Organisation.

In den Rezepten selbst finden sich immer wieder Symbole die auf Filmchen auf Jamie Olivers Homepage hinweisen, wo sich dann kleine handwerkliche Anleitungen zu Details finden.

Für erfahrene Köche ist hier nicht viel neues zu erwarten, und sie können das Buch als nette Rezeptinspiration lesen. Diejenigen, die den täglichen Kantinenfraß satt haben, die etwas in ihrer Ernährung verändern möchten, aber bisher dachten, Kochen sei zeitaufwendig, kompliziert und teuer, nimmt es aber gut an die Hand und erleichtert den Weg hin zu einer selbständigeren Ernährung.

Traut Euch, es wird euer Leben bereichern!

Zuletzt gehört: Richard Laymon – “Die Insel”

May 11th, 2010 in Kategorie Bücher |

Viele Rezensenten von Laymons “Die Insel” waren angewidert von der expliziten Gewalt und den Misshandlungen. “Hey cool! Ein Buch für mich!” dachte ich…

Um es klar zu sagen: Auch wenn ich kein psychopathischer Kettensäger bin, schreckt mich die Explizite Beschreibung von Ausweidungen, Vergewaltigungen und dergleichen nicht ab. Ich finde, Gewalt (zumindest in vielen Formen der künstlerischen Darstellung auf Bildern, in Musik, Filmen und Büchern) ist ein zutiefst bewegendes Hilfsmittel. Sie zeigt uns unsere Grenzen, sowohl in Hinsicht darauf, was uns passieren muss, bevor wir gewalttätig werden, als auch im Mitempfinden desjenigen, der die Gewalt erfährt.

Insofern waren die Amazon-Kritiken erstmal überhaupt kein Hindernis, mich an das Buch zu machen, die ohnehin spärliche Gewalt ist allerdings das absolut geringste Problem des Buchs.

Statt des versprochenen Thrillers der einen die Fingernägel bis hoch zu den Wurzeln abkauen lässt, gab es nämlich ein über 14 Stunden andauerndes Tagebuch eines postpubertären, weinerlichen Fuzzies der mit 3 Frauen, auf die er permanent scharf ist, und worüber er ausschweifend lamentiert, auf einer Insel festsitzt.

Die Story geht dermaßen zäh vorwärts, weil dieser nervige Protagonistenloser wieder und wieder und wieder und wieder… den Faden verliert und über Seiten hinweg Nabelschau betreibt.

Boah, geilt mich das auf. Boah bin ich ein schlechter Mensch, dass mich das so aufgegeilt. Ach was soll’s, ich schreib’s trotzdem. Aber ich muss jetzt doch noch 7x darüber reflektieren, dass ich mich schäme, weil ich so ein armes schwaches Männlein bin. Aber es geilt mich dennoch soooo auf…..

Was für ein Arschloch!

Darüber hinaus ist der Protagonist ein dermaßener Idiot, dass man permanent laut fluchen will “Lass das, Du Flachpfeife!” und ihm links und rechts eine scheppern möchte! Ich kann mit der Geschichte über einen Idioten, der immer wieder auf dieselbe Methode verarscht wird, durchaus umgehen, wenn das ganze relativ knapp am Rande der Geschichte geschieht. Wenn die Szene aber bis ins St. Nimmerlein ausgewalzt wird, fühlt man sich als Leser nur noch verarscht, weil der Autor sicher nichts anderes im Sinn hatte, als Seiten zu schinden.

Und wer den Kniff am Ende des Buches nicht erwartet hat, dem ist auch nicht mehr zu helfen.

Fazit: WAS eine Zeitverschwendung. Ungekürzt bei Audible …aber in diesem Fall will man das ganz sicher nicht.

Zuletzt gehört: Bill Bryson – “Eine kurze Geschichte von fast allem”

May 11th, 2010 in Kategorie Bücher |

Bill Brysons “Picknick mit Bären”, ein Wandertagebuch über den Apalachian Trail entlang der Ostküste der USA hatte mich schon glänzend unterhalten. Als ich kürzlich über “Eine kurze Geschichte von fast allem” stolperte, war ich zwar ein wenig misstrauisch aber trotzdem neugierig genug es mir kaufen. Gute Wahl!

Das Buch ist, wie auch schon “Picknick mit Bären”, extrem unterhaltsam. Es mag wissenschaftlich interessierten Lesern bei ihren jeweiligen Spezialthemengebieten vielleicht nicht ausreichend in die Tiefe gehen, aber das macht es in der Breite dann absolut wieder gut.

In über 20 Stunden behandelt Bryson nacheinander Astro- und Teilchenphysik, Biologie, Evolution, Archeologie, Paleonthologie, Chemie, aber vor allem auch die jeweils dazugehörige Wissenschaftsgeschichte, die Fehlannahmen die früher herrschten, die Personen die bestimmte Dinge entdeckt haben, und immer wieder auch, was wir alles noch nicht wissen.

Gelesen wird es wieder von Oliver Rohrbeck, der, wie auch schon bei “Picknick mit Bären” mit seiner heiteren gelassenen Stimme prima zu Bryson passt.

Fazit: Sehr empfehlenswert und trotz des erheblichem Umfangs extrem kurzweilig. Ungekürzt bei Audible

Dan Brown – Illuminati

February 23rd, 2009 in Kategorie Bücher |

…oder: Wider besseren Wissens eine Chance gegeben, und RICHTIG in’s Klo gegriffen.

Es ist ja nicht, als ob ich es nicht erwartet hätte, aber soo viele Leute haben mir immer wieder geraten, das Buch zu lesen, dass ich es dann doch bei Audible als Monatliches Rabatt-Buch gekauft habe.

Ich wurde nicht überrascht.

Mal abgesehen von der geschichtlichen Schnitzeljagd, die im Grunde ganz nett ist, wird über 2 Drittel des Buches eine Person als charismatischer Sympathieträger aufgebaut, die dann in der Auflösung nicht etwa nur komplett demontiert wird, sondern sich als größenwahnsinniger Irrer ohne jeglichen Bezug zur Realität entpuppt.

Sorry, Lieschen Müller mag die “verblüffende Wendung” vielleicht beeindrucken. Ich im Gegensatz, empfinde es als eine Unverschämtheit, meine zuvor in das Buch und dessen Akteure investierte Zeit und Zuneigung dann mit einer völlig unglaubwürdigen Umkehr in’s Absurde zu ziehen.

Das wäre bei einer glaubwürdigeren Charakterisierung evtl. noch verzeihbar gewesen, aber nicht auf diese völlig plumpe Art, wie es Dan Brown hier geschafft hat.

Liebe Thrillerautoren, es ist nicht glaubwürdig, dass eine Person 80% des Buches völlig rational ist, und dann, als hätte jemand einen Schalter umgelegt, plötzlich zum Megalomanen plumpster Sorte mutiert. Bitte, bitte, verschwendet nicht unsere Zeit mit sowas.

Douglas Preston & Lincoln Child – “Ice Ship”

February 23rd, 2009 in Kategorie Bücher |

…oder: Nur vertane Zeit, oder ein wirkliches Ärgernis?

Ich bin kein Fan von Douglas Preston und Lincoln Child. Den Zustand verdanken Sie “Thunderhead”, einen zähen Pseudo-Okkult-Thriller der in einem kräftigen Regenschauer seinen Höhepunkt findet. Wen interessiert, wie man ein Unwetter richtig beschreibt, der sollte lieber Bruce Sterling “Heavy Weather” lesen!

Wie auch immer, da ich seit ca. einem Jahr Vielfahrer bin und Hörbücher für mich entdeckt habe, kam ich irgendwie doch wieder zu den beiden Autoren. Ihre Bücher waren im iTunes-Store verfügbar und günstig (weil dramatisch gekürzt, wie ich später lernen durfte :-( ), weshalb ich mir dann einige für diverse Fahrten anschaffte.

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Michael Hanstein, Dirk Kaltz, Stephan Heim
“Gefärliche Hunde”

June 19th, 2006 in Kategorie Bücher |

“Gefährliche Hunde” aus dem Verlag Deutsche Polizeiliteratur, ist ein Buch, dass zur Pflichtlektüre von Streifenpolizisten gehören sollte. Immer wieder liest man in den gängigen Foren über Tötungsmeldungen von Hunden durch die Polizei. Die Autoren, selbst Diensthundeführer, möchten hier aufklären und Alternativen aufzeigen, damit nicht jeder streunende Hund, der Abwehrverhalten zeigt, mit dem Leben auf der Strecke bleibt.


Zartbeseidete Gemüter seien gewarnt, dass ein Polizeibeamter im Dienst möglicherweise Sachzwängen unterworfen ist, die den durchschnittlichen Tierliebhaber schockieren. So wird eben auch beschrieben, wie ein Hund durch Einsetzen der Dienstwaffe getötet werden kann. Die Autoren zeigen jedoch wiederholt die Alternativen auf und betonen bei diversen Abwehrtechniken immer wieder, dass die Angemessenheit der Mittel im Vordergund stehen sollte.

Zu Anfang gibt es einen kurzen Exkurs im “Lesen des Hundes”. Die Bedeutung von Körperhaltung und Gebaren des Hundes werden knapp erläutert und in unterschiedliche Gefährlichkeitsgrade eingeteilt. Es folgt ein Abriss zum Thema Beschwichtigungssignale, wie sie beim Hund zu deuten sind, und vor allem auch, wie der Beamte sie ggf. zu seinem eigenen Vorteil selber anbringen kann.

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Katrin Blümchen
“Hundemassage”

June 5th, 2006 in Kategorie Bücher |

TTouch ist zwar, wenn es auch zu einem grossen Teil um das Berühren geht, nicht grundsätzlich ein Massage-Konzept, jedoch ist mein Interesse an Massage für den Hund nach den TTouch-Basis- und Aufbau-Kursen aufgekommen. Ich wollte einfach mehr über das Thema erfahren.

Hundemassage von Katrin Blümchen ist wohl mit gerade 76 Seiten ein sehr dünnes Buch, allerdings empfand ich das in diesem Fall als ausgesprochenen Vorteil.

Nach einigen Informationen zur ihrer Person gibt die Autorin einen kurzen Exkurs in die verbreitetsten Krankheitstypen des Bewegungsapparates. Die einzelnen Krankheiten werden kurz beschrieben, die möglichen Massage-, Wärme- oder Kälte-Behandlungen werden aufgezählt, mögliche Gegenindikationen werden deutlich vermerkt.

Der nächste Abschnitt des Buches zählt die einzelnen Massagetechniken mit und ohne Hilfsmittel auf. Neben der Handarbeit am Hund wird auch der Umgang mit Igelball und Bürste erklärt, es wird auf Wickeltechniken und eventuell zum Einsatz kommende Massageöle und -essenzen eingegangen.

Das Buch ist wie gesagt, sehr kurz, aber gerade hierin liegt der Reiz. Frei nach dem Motto “So viel wie nötig, so wenig wie möglich”, sind Erklärungen pragmatisch, nennen alle Wichtigen Randbedingungen (z.B. keine Wärmebehandlung bei Herz-Kreislaufproblemen), und nehmen dadurch auf der einen Seite die Angst, etwas falsches zu tun, auf der anderen Seite fühlt man sich nicht von einem Berg geballten Wissens, der ein vollständiges Physiologiestudion erfordert, abgeschreckt. Die klare Gliederung macht es einem leicht, schnell nochmal in Vergessenheit geratene Details nachzuschlagen. Das Buch motiviert zum “direkt Loslegen”!

Diejenigen, die nach der Lektüre Blut geleckt haben und tiefer in die Materie einsteigen wollen, werden dann beim Quellen- und Literaturverzeichnis - welches man ja heutzutage bei Sachbüchern auch immer seltener findet - schnell fündig.

Nicole Wilde: “Menschentraining für Hundetrainer”

June 17th, 2005 in Kategorie Bücher |

Kurzweilig, für Junior-Trainer

Nicole Wilde ist mit ihrem “Menschentraining für Hundetrainer” eine kurze aber unterhaltsame Einführung im Umgang mit dem Kunden Hundehalter gelungen.

Das Buch gibt einen Überblick über die verschiedenen Archetypen und die Probleme die man im Umgang mit ihnen möglicherweise haben wird. Ihre Warnungen (z.B. Lass’ Dich nicht von der Armen Anne einspannen) und Lösungsansätze sind plausibel, die Symptome an denen man seine Problemkinder erkennen kann sind gut beschrieben.

Positiv aufgefallen ist mir, dass Wilde auch die Stellen aufzeigt, in denen der Trainer einen Schlußstrich ziehen sollte, statt zu versuchen für jede noch so hoffnungslose Situation eine Wunder-Lösung zu präsentieren.

Einen Stern Abzug gibt es dafür, dass man schon spürt, dass das Buch sich - möglicherweise unbewusst - an eine Amerikanische Audienz wendet. Der Umgang mit dem Kunden ist teilweise sehr politisch korrekt, und es gibt einige Stellen an denen man als Trainer vielleicht eher ein deutliches Wort an den Kunden richten sollte.

Betrachtet man die Situation jedoch aus Sicht eines Trainers der damit seinen Lebensunterhalt verdient und der nicht Ehrenamtlich im Tierschutz arbeitet, so macht die gezeigte Vorsicht vermutlich wieder Sinn, denn es gilt ja neben einer Sinnvollen Ausbildung auch, den Kunden nicht zu verlieren, oder sogar durch seine Werbung neue Kunden zu gewinnen.