Harte 2 Monate…

p(abstract). Einige ganz wenige Leute wussten davon, bei ein paar, mit denen ich gerne darüber gesprochen hätte, habe ich mich aus Gründen(tm) bewusst dagegen entschieden, es ihnen mitzuteilen. Aber da jetzt alles soweit gut abgeschlossen ist, wird es Zeit, mal darüber etwas zu schreiben, um mit dem Thema auch in meinem Kopf abzuschließen.

Eddiebär

Im letzten Jahr hatte ich den Eindruck, Eddie wird jetzt langsam richtig alt. Zum Gassi war er nur noch mit viel Arbeit zu überreden, er hat sehr schnell schlapp gemacht und i.d. Regel verliefen die Gassirunden nur noch ca. 1km auf flachem Gelände. Er fraß nur noch lustlos, ließ oft halbe Portionen liegen und bettelte nicht mehr zu seinen Zeiten um Futter, geschweige denn am Tisch beim Abendessen.

Vor einigen Wochen dann fiel mir auf, dass er angefangen hat, stark zu saufen. Früher musste man ihn überreden oder das Wasser mit Joghurt schmackhaft machen, damit er mal ordentlich was trinkt. Plötzlich soff er eine halben Napf, der immerhin über einen Liter fasst, an einem Stück aus. Da hier altersbedingt ein paar Krankheiten nahe lagen, z.B. eine Niereninsuffizienz oder auch eine Altersdiabetes, hatte ich schnell einen Termin bei unserer Tierärztin gemacht.

h3. Erster Befund…

Diese hatte, aufgrund seiner Vergangenheit mit Mastzellentumoren und weil er eine Bull-Rasse ist, relativ schnell noch einen Verdacht auf Cushing, und nachdem die normalen Blutwerte für einen Hund in seinem Alter tadellos waren, haben wir einen ACTH-Test hinterher geschoben. Der ACTH-Test ist kein 100% sicherer test, und sein Ergebnis war unspezifisch, insofern war das nächste was anstand ein MRT beim neurologischen Facharzt.

Cushing ist ein (meist) gutartiger Tumor in der Hirnanhangdrüse. Dieser verursacht durch Druck eine erhöhte Ausschüttung von Stresshormonen, was unter Anderem eben zu dem verstärkten Saufen und auch zu einer Tonnenförmigen Körperform trotz korrekter Fütterung führt. Der Hund wird außerdem träge und melancholisch.

Dann ging alles ziemlich schnell. Dienstags hatte ich einen Termin in Würzburg bei „Dr. Rentmeister,“:http://www.tierneurologie.de Spezialist für Tierneurologen zum MRT, und der Befund war hier ganz eindeutig. Die Prognose, so versicherte er mir, sei aber trotz Eddies Alter ausgezeichnet, ich solle mich umgehend an das „Animal Oncology and Imaging Center“:http://aoicenter.ch in der Schweiz wenden, dort sei man spezialisiert auf Tumortherapie durch Bestrahlung.

Gehört, getan. Mittwoch hatten wir den Erstkontakt, ich ließ die Befunde meiner TA und den Bericht des Neurologen in die Schweiz faxen. Donnerstag gab es ein Beratungsgespräch mit der Klinikleiterin, und Montag gab es einen ersten Termin für eine Anamnese vor Ort.

Freitags hatte ich noch ein Beratungsgespräch mit meiner TA verabredet, einfach damit ich ein wenig einen Eindruck darüber bekam, was das alles für Eddie als Belastung bedeutet. Ich wollte auf keinen Fall, dass die Therapie für Eddie eine stärkere Belastung als die Krankheit sei, z.B. auch, weil jede Therapiesitzung mit einer Narkose einher geht.

Das Narkosemittel, so erfuhr ich, sei ein relativ leichtes, und speziell für diese Art von Therapien, in denen der Hund oft in Narkose gelegt werden müsste, geeignet. Daher verblieben wir so, dass ich ihn gründlich beobachte, und wenn er während der Therapie abbaut, diese dann auch abbreche.

h3. Das AOI-Center

Der Termin Montags in der Schweiz war für 09:00 verabredet. Also um 05:00 Eddie ins Auto gepackt, quer über die schwäbische Alb nach Schaffhausen und dann an Zürich vorbei Richtung Luzern durch die Schweiz zum AOI-Center.

Eddie wurde hier als erstes in Empfang genommen und in Narkose gelegt. Es folgte ein CT und während dessen wurde ich nochmal von der begleitenden Ärztin umgehend über das, was kommt, beraten.

Das Ergebnis des CT stützte das Ergebnis des MRT, dass ich auch zur Sichtung mit gebracht hatte, die Ärztin stimmte mit dem Befund aus Würzburg überein, dass die Prognose sehr gut sei. Vom Ablauf sei es eigentlich ideal, 2 Wochen täglich durch zu bestrahlen, aber da Eddie bereit 13 ist, hielt sie es für besser, 2 Termine pro Woche zu machen. Morgen könnte es los gehen, dann immer Freitags und Dienstags.

Dienstag musste ich nochmal mehr Zeit einplanen, da hier in Gebissabdruck genommen, und der Bestrahlungstherapieplan erstellt wurde. Der Abdruck dient dazu, dass die Kopfposition bei jeder Behandlung absolut identisch ist. Der Therapieplan legt dann fest, bei welcher Sitzung aus welchem Winkel bestrahlt wird, wie groß das umliegende Areal bestrahlt wird, wie hoch die Dosis ist, etc. Auch hier wurde mir nochmal alles genau erklärt, incl. der Geräte, der Behandlungsboxen und der Wirkung der Therapie.

Die nächsten Wochen waren dann Routine. 5:00 raus, über die Alb, durch die Schweiz, 1 Stunde warten, durch die Schweiz, über die Alb, und wenn ich nicht zu platt war, wenigstens noch ein paar Stündchen zur Arbeit. Geplant waren ca. 10-15 Sitzungen.

Wir haben zwischendurch noch eine Narkose genutzt, um den Bauchraum schallen und die Lunge röntgen zu lassen. Gerade die Lunge ist ja auch bei ehemaligen Mastzellentumorpatienten ein großes Risiko. Beide Untersuchungen waren ohne Befund.

h3. Erfolge

Man hatte es mir bereits bei der Beratung erklärt, eine Verhaltensänderung könne bereits nach ein bis zwei Sitzungen auftreten, und so war es. Schlief Eddie bei der ersten Rückfahrt noch komplett durch und war wackelig auf den Beinen, war er ab der 2. Fahrt schon kurz hinter der Grenze wach und wir haben regelmäßig Post-Therapie-Gassirunden kurz vor Sigmaringen eingelegt.

Etwa nach der 4. Sitzung fing Eddie wieder kurz vor seiner Essenszeit zu quängeln an, und jetzt fraß er auch alle seine Portionen wieder auf.

Letztendlich waren die Erfolge so deutlich, auch in seinem Verhalten bei der Therapie, dass die Ärzte entschieden, dass 8 Sitzungen reichten. Auch eine nachgelagerte Prednisolon-Therapie sei nicht notwendig. Der letzte Termin war letzte Woche Freitag, den 07.06.2013.

Eddie ist natürlich immer noch ein betagter Hund, er säuft immer noch ziemlich viel, aber das ist normal. Es dauert, bis sich das Hormonsystem wieder stabilisiert, möglicherweise müssen wir später doch nochmal mit Prednisolon eine Weile nachhelfen, aber das sehen wir dann in den nächsten Wochen… Er steht jedenfalls nicht mehr 3x die Nacht auf, um den Napf halb leer zu trinken, sondern schläft größtenteils durch.

Er läuft immer noch keine großen Strecken, aber er genießt unsere kurze Morgenrunde und die Nachtspaziergänge, wobei er auch nicht mehr apathisch hinterher trottet sondern ausgiebig jeden Grashalm erschnüffelt und sogar manchmal voraus trottet.

Nächste Woche sind wir bei unserer Haustierärztin zur ersten Kontrolle, dann in 3-4 Monaten nochmal, und dann werden wir uns wohl wieder auf den halbjährlichen „Ist alles ok?“-Termin einstellen.

Bei Eddies 13 Jahren weiß ich natürlich nicht, wie viel Zeit uns wirklich noch bleibt, ich hatte mich ja vor der Diagnose schon darauf eingestellt, dass diese vielleicht unser letztes Jahr ist, aber seine Entwicklung hat mir deutlich gezeigt, dass die kurze Belastung, mit der er sehr gut klar gekommen ist, durch die Erfolge absolut gerechtfertigt wurde. Ganz egal, wie viel Zeit uns bleibt, sie wird eine größere Qualität für Eddie haben, als vor der Therapie, und das ist das Wichtigste.

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