#HatePoetryForBambi!

p(abstract). Das hier ist der erste Post in der Kategorie „#nofilter.“:http://lamertz.net/nofilter Details dazu finden sich hinter „dem Link.“:http://lamertz.net/nofilter

bq. Hate Poetry ist eine antirassistische Leseshow. Sie schreiben. Wir lesen. Seit 2012. „Journalisten des Jahres“ 2014 (Kategorie „Sonderpreis“). — Quelle: „HatePoetry“:http://www.hatepoetry.com/

h3. Live in der Pause geschrieben

Ok, das ist eine Tour de Force. Beim ersten Brief wird Dir mulmig, beim Zweiten fragst Du Dich, ob Du den Abend durchstehst, aber dann wird es nach und nach besser.

Was sonst Satire ist, ist hier bittere Realität, und vor der kann man zusammen klappen, oder man feiert die 4 Leute auf der Bühne für das, was sie aushalten, und wie sie damit umgehen.

Zu oft gibt es nicht mal ein Lachen, dass einem im Hals stecken bleibt. Erholung bringen eigentlich nur schlechtes Deutsch und Logikfehler der Schreibenden, die radebrechend den Erhalt der Deutschen Leitkultur fordern. Ich habe ein Bedürfnis nach Gewalt, möchte die Schreiber ohrfeigen. Wie kann man solchen Menschen noch anders entgegen treten, die solche Dinge sagen. Worte sind da zwecklos.

Ich denke wieder an den HoGeSa-Drecksack im Nachtradio: __“Deutschland ist auf dem linken Auge blind”__, und __“Klar sind da eindeutige sprüche gerufen worden, aber Worte verletzen ja keinen”__. Was ein erbärmliches Arschloch.

Pause vorbei, der Saal füllt sich, mal schauen, wieviel bitterkeit ich noch ertragen kann. Aber Kopf hoch, die 4 gehören gefeiert. Da muss man auch mal was aushalten können. Bei denen ist das Alltag, bei mir nur 1 Abend.

h3. Am nächsten morgen rekapituliert

Nach der Pause geht es weiter. Mehr vom selben, aber die geballte Konzentration von rechtem Irrsin schafft irgendwie Normalität, und jetzt kann ich tatsächlich mitlachen. Nicht immer, aber immer öfter.

Nach __“Liebe Frau Fotze, Sehr geehrter Herr Arschloch”__ und __“Abokündigungen”__ im 1. Teil sind wir jetzt bei den Kategorie 3, __“grosse Oper”__, in der gleich zu Anfang ein kurzer Austausch auf Twitter zu einem Tantrum totaler Demaskierung puren Rassismusses und simplen Wahnsinns eskaliert. Ja, es gibt in diesem Land, in diesem Jahrtausend, in dieser Gesellschaft Menschen, die einem Hitler nachweinen, und da geht es nicht „nur“ geEvaHermant um die Frauenrolle in der Familie und den Bau der Autobahnen. Nein, da wird sich gewünscht, dass jemand wie Hitler kommt, und (frei aus dem Kopf zitiert) __“bei den Türken da weiter macht, wo man mit den Juden aufhören musste“__.

Ich möchte gerade vor die Tür treten, mich mit Benzin übergiessen und anzünden, so verliere ich hier den letzten Glauben in diese Gesellschaft.

Wir sind angekommen beim IS des Abendlandes. Niemand kann mir ausreden, dass es etwas anderes als die relativ stabile Gesellschaft ist, die diese Menschen vom Abschneiden von Köpfen oder öffentlicher Verbrennung abhält. In einem Bürgerkriegsland, wenn diese Briefeschreiber keine Konsequenzen zu fürchten hätten, würden Sie andersdenkende mit Heugabeln und Fackeln durch den Ort hetzen und kurzen Prozess machen. Die totale Enthemmung beim Gehörten lässt da keinerlei Zweifel.

Der Abend gipfelt in einer Schnellschussrunde in der reihum erhaltene kurze, einsätzige Beleidigungen raus gefeuert werden, wer keine mehr übrig hat, ist raus. In der Konzentration müsste das ganze noch unerträglicher werden, dieser Wettkampf um die meisten und unterirdischsten Beleidigungen, aber wir sind mittlerweile alle so durch den Wind und abgestumpft, dass man doch lacht. Özlem Topcu gewinnt, unter Anderem mit dem Wunsch, dass man Ihr einen __“Halsschmuck in Form einer Straßenlaterne verpasst, von der sie dann hängen kann.“__ (auch frei aus dem Gedächtnis zitiert).

Es endet mit ein paar ernsten Worten Yassin Mushabarshs, in denen wir erfahren, dass es auch hier noch Briefe gab, die selbst für diese Veranstaltung zu hart waren, dass nach einem Artikel durchaus mal 600 Nachrichten in diesem Stil kommen, und wir bekommen Absolution für unser Lachen, denn das Programm wurde natürlich gezielt darauf abgestimmt, den ganzen unmaskierten Rassismus und Wahnsinn so zu konzentrieren, dass man die Schreiber auslachen kann.

Aber ich habe kein schlechtes Gewissen, wegen vereinzelten Lachern über politisch unkorrekte diffamierende Sprüche, mir ist das Lachen einfach vergangen, weil ich jetzt greifbare Belege für den geistigen Zustand einiger Menschen in diesem Land habe. Ich habe nichts neues Gelernt, dafür habe ich zu oft in Diskussionen gegen diese Gestalten gehalten. Aber das Gefühl, dass diese Ballung hinterlässt, das wird lange nicht weggehen, wenn es das überhaupt tut.

Hasnein Kazim „@HasnainKazim,“:https://twitter.com/HasnainKazim Özlem Topcu „@OezlemTopcu,“:https://twitter.com/OezlemTopcu Yassin Mushabarsh „@abususu“:https://twitter.com/abususu, Ebru Tasdemir „@etasdem“:https://twitter.com/etasdem und deren gestern „abwesenden Kollegen“:http://hatepoetry.com/eine-seite/ gehören gefeiert, ihre Stimmen gehören gehört, ihre Artikel gehören gelesen.

Unbedingt hingehen! „#HatePoetryForBambi!“:https://twitter.com/hashtag/hatepoetryforbambi

„Hate Poetry“:http://hatepoetry.com/

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